Heute am 4. Juli ist ja der amerikanische Nationalfeiertag und darum habe auch ich heute frei. In den letzten Tagen habe ich schon gemerkt, dass es ein wichtigerer Feiertag hier ist. Etliche Leute nehmen diese Woche noch ein paar Tage Urlaub und es ist insgesamt etwas ruhiger. Außerdem ist das Hotel auch auffallend ruhig, offenbar geht niemand auf Dienstreise sondern versucht zu Hause zu sein.
Letzte Woche ging es schon darum, was man am 4. Juli so macht. Ganz wichtig ist das Feuerwerk, das kommt aber erst noch um zehn Uhr heute Abend. Tagsüber gibt es teilweise aber auch Veranstaltungen wie Umzüge, zum Beispiel auch in Afton, einem kleinen Städtchen nicht allzu weit weg von hier. Das hatte ich gelesen und mir überlegt hin zu gehen.
Am Vormittag wurde es dann aber erstmal spannend, ob das Wetter mitmacht. Nachdem es in den letzten Tagen heißt und schwül wurde waren Unwetter vorhergesagt. So war es dann auch und gegen 10 Uhr heute Vormittag kam auch schon ein Gewitter. Die Gewitter haben hier aber wohl die Angewohnheit relativ schnell weiter zu ziehen und so stand dem Umzug dann doch nichts mehr im Weg. Durch den Regen hatte es auch auf angenehme ungefähr 20° C abgekühlt.
Also habe ich sicherheitshalber Halbschuhe, Regenjacke und -schirm eingepackt und mit auf den Weg gemacht. Geparkt wurde einfach am Straßenrand, der ist hier ja eigentlich meistens breit genug. Vor dem eigentlichen Umzug habe ich mir in der wohl ältesten Eisdiele Minnesotas ein leckeres Eis gekauft, natürlich mit typischen amerikanischen Sorten, nämlich blueberry cheesecake und salted caramel.
Die meisten Leute saßen schon mit Campingstühlen und Kühlboxen am Straßenrand wobei die Strecke lang genug war und es damit genügend Platz hatte. Viele Leute waren auch passend in den amerikanischen Farben angezogen und der Ort natürlich mit Fahnen geschmückt. Insgesamt war eine ziemlich fröhlich entspannte Stimmung. Bis der Umzug los ging kam dann auch die Sonne wieder raus und es wurde ziemlich schnell wärmer so dass ich mir einen Platz im Schatten gesucht habe.
Los ging es dann mit einer buten Mischung aus uniformierten Fahnenträgern und alten Militärfahrzeugen.
Überhaupt war erstmal alles vertreten, was eine Uniform trägt. Also die Armee, die Veteranen, die Feuerwehr und die örtliche Polizei und alle haben Süßigkeiten an das Publikum verteilt.
Später kamen dann noch die Pfadfinderinnen und Pfadfinder, eine Kirchengemeinde, unterschiedliche Vereine, örtliche Unternehmen und anscheinend auch einfach nur Leute mit besonderen Autos. Es kamen noch eine ganze Zahl an Gruppen, die Werbung für die Kandidaten bei den im Herbst anstehenden Wahlen gemacht haben. Für mich besonders ungewohnt war dabei natürlich die Werbung für den Sheriff, der wird hier wohl alle vier Jahre gewählt.
Erstaunlicherweise gab es relativ wenige Bands und es gab nicht mal eine High School Band. Dafür ein sogenanntes Drum & Bugle Corps, das ist mir vor allem durch die für mich etwas ungewöhnliche Haltung der Tuben aufgefallen.
Nach knapp einer Stunde waren dann auch alle Gruppen die Straße einmal hin und wieder zurück gezogen und der Umzug damit vorbei. Es war zwar nach wie vor bewölkt hatte dann aber auch schon wieder so um die 30 °C und durch den Regen am Vormittag war es recht schwül. Als ich wieder beim Hotel war kam dann auch schon wieder das nächste Unwetter angezogen. Im Vorfeld gibt es dabei teilweise recht imposante Wolkenformationen zu sehen.
Das anschließende Gewitter war eigentlich gar nicht so wild. Nur war ich dann doch etwas überrascht, als der Fußboden im Hotel vom Donner gewackelt hat. Wobei das natürlich auch ziemlich viel über die Bauweise aussagt. Mal sehen, wie das Wetter sich weiter entwickelt und ob ich später noch zum Feuerwerk gehe oder nicht.
