Leider hat sich das dann aber etwas gezogen. Ein Kollege hat einen anderen Kollegen gefragt, den er kannte. Da gab es dann ein bisschen ein Hin und Her, ob er mir ein Fahrrad ausleihen kann, am Ende wurde es aber nichts.
Beim meinem Ausflug nach Minneapolis am Samstag vor einer Woche habe ich gesehen, wie viele Radfahrer unterwegs sind und wieviele Radwege es hier gibt. Darauf habe ich per eMail an eine ganz Reihe von Kollegen gefragt, ob mir jemand ein Fahrrad leihen kann. Vielleicht eine Stunde später hatte ich dann schon ein Fahrrad und habe gleich die erste kleine Runde gedreht. Am Sonntag darauf war das Wetter nicht so toll aber am Nachmittag bin ich 15 km vom Hotel aus gefahren. Dabei hat sich leider gezeigt, dass das Fahrrad doch zu klein ist und mein eines Knie das leider gar nicht mochte. Also war erstmal Schluss mit Radfahren.
In der vergangenen Woche haben mich dann aber noch etliche Kollegen angesprochen, dass sie mir bei Bedarf ein Fahrrad hätten. Am Donnerstag habe ich mir dann eines ausgeliehen, das auf jeden Fall nicht zu klein ist. Dabei hatte ich auch die Gelegenheit mal wieder in ein amerikanisches Haus hinein zu sehen, aber das ist eine andere Geschichte. Am Freitag bin ich dann zum Test nochmal 15 km gefahren und mein Knie mochte das größere Fahrrad eindeutig besser.
Damit stand das Programm für den heutigen Sonntag fest, nämlich bei der Tour of Saints mitzufahren. Das ist eine Radtouristikfahrt, so eine Art Volkswandertag mit dem Fahrrad, in Zentral-Minnesota von der ich schon vorher gelesen hatte. Eigentlich nicht unbedingt so ganz mein Ding, in diesem Fall hatte es aber den klaren Vorteil, dass ich mich weder um die Routenplanung noch um die Versorgung unterwegs kümmern musste. Es gab mehrere Strecken mit 18, 35 und 50 Meilen zur Auswahl wobei man sich erst nach 33 Meilen zwischen den beiden längeren entscheiden musste. Das war auch ideal, falls es sich mein Knie unterwegs doch anders überlegt hätte.
Der größte Nachteil dabei war allerdings, dass es schon ab 6:30 Uhr los ging und auch noch heiß werden sollte. Also war frühes Aufstehen angesagt, da die Anfahrt schon anderthalb Stunden gedauert hat. So bin ich aber in den Genuss von leeren Straßen und einem Sonnenaufgang gekommen. Der Ausgangspunkt war ein katholisches College in einem kleine Ort und dort bin ich kurz vor halb sieben angekommen. Obwohl dort auf den Schildern nochmal stand, dass es erst um halb losgehe konnte man sich doch schon vorher registrieren. Es war auch schon einiges los, insgesamt sind es wohl immer so um die 1000 Teilnehmer
Auf jeden Fall bin ich dann schon kurz nach halb sieben losgeradelt wobei es da schon um die 21° C hatte. Leider kam dazu noch ein recht strammer Gegenwind mit um die 15 km/h. Aber der sollte laut Wetterbericht die Richtung nicht ändern, so dass durch den Rundkurs klar war, dass er auch mal von hinten kommen würde. Die Strecke führte über kleinere Straßen die zwar nicht gesperrt waren, auf denen es aber so gut wie keinen Verkehr gab. Teilweise gab es Abschnitte auf etwas größeren Straßen, die hatten dann aber einen breiten Seitenstreifen. Die Strecke war gleich zu Beginn recht hügelig aber zum Glück blieb das nicht so. Die Gegend war sehr ländlich und auf den Feldern stand hauptsächlich Mais oder Soja.
Nach 12 Meilen kam dann die erste Verpflegungsstation an einer Schule mit kaltem Wasser, frischem Gebäck und Obst. Davon kamen dann nochmal zwei, wobei es jedesmal etwas anderes zu Essen gab. Das war sehr nett und abwechslungsreich und die Kalorien konnte ich auch jedesmal gebrauchen.
Zwischendurch hat sich dann bei mir leider die Kette mal so verhakt, dass ich sie erstmal nicht wieder freibekommen habe. Zum Glück haben dann aber zwei andere hilfsbereite Radfahrer angehalten und konnte mir helfen, da sie Werkzeug dabei hatten. Die beiden haben auch ohne Rücksicht in die Kette gelangt und am Ende hatten wir alle schwarze Finger und nur Gras zum Saubermachen. Mit dem einen der beiden bin sich dann später auch noch ein längeres Stück gemeinsam gefahren und er hat mir noch einiges über die Landschaft in Minnesota erzählt. Bei der nächsten Rast konnten wir uns dann glücklicherweise auch die Hände waschen. Die letzte Rast war sowieso die beste da es davor wieder direkten Gegenwind gab und ich durch das Reden mit dem anderen Radfahrer vielleicht ein kleines bisschen zu schnell unterwegs war. Auf jeden Fall konnte ich die Rast dann gut gebraucht und hatte schon Sorgen, was die letzten 10 Meilen anging. Aber zum Glück war die Richtung anders und der Wind kam dann doch nicht nur von vorne.
Am Ausgangspunkt angekommen gab es dann nochmal kühle Getränke, kühle Wassermelone von vor allem auch Duschen. Bis ich dort angekommen bin war es nämlich 11:30 Uhr und hatte so um die 30° C. Darum war ich froh, so früh losgefahren zu sein und das es so gut gelaufen ist. Insgesamt waren es dann 80 km in vier Stunden reiner Fahrzeit, da hat sich der Radurlaub an Pfingsten vermutlich noch bemerkbar gemacht.
Hier noch eine Karte mit der Strecke, man kann auch Rauszoomen um zu sehen, wo das genau liegt.
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