Eigentlich hatte ich den Wetterbericht für heute so verstanden, dass es eher ein bisschen wechselhafter mit Schauern werden soll. Soviel gleich vorweg: Entweder ich habe es falsch verstanden oder der Wetterbericht lag falsch. Es gab zwar Wolken aber insgesamt hatte es wieder über 30 °C und dabei leicht schwül.
Auf jeden Fall wollte ich heute mal nicht Fahrrad fahren sondern mit dem Auto einen Ausflug in die Prärie machen. Während es hier in der Gegend eher Laubwald gab war der westliche Teil von Minnesota früher komplett von Prärie bedeckt. Die Gegend dort ist auch weniger hügelig und es gibt auch deutlich weniger Seen. Nach der Radtour letzte Woche hatte ich die Gegend schon gestreift und heute wollte ich nochmal dort hin fahren. Da nur Landschaft auch ein bisschen langweilig ist, bin ich nach New Ulm gefahren Das geht tatsächlich zumindest teilweise auf württembergische Auswanderer zurück und macht auch mit seiner deutschen Geschichte Werbung. Außerdem pflegt es wohl auch partnerschaftliche Beziehungen sowohl zu Ulm als auch zu Neu-Ulm.
Schon bei der Fahrt dorthin ist aufgefallen, dass es deutlich mehr deutsche Namen gibt. So stand in der kleinen Stadt Norwood Young America ein großes Schild mit Werbung für ein „Stiftungsfest“, und zwar genau so geschrieben. Als ich heute Abend im Internet kurz danach gesucht habe, hat sich herausgestellt, dass es das Fest seit 1861 gibt.
In New Ulm war dann aber nicht viel los, da typisch deutsch die meisten Läden Sonntags geschlossen hatten. Es fällt aber schon auf, dass etliche Läden irgendetwas deutsches im Namen haben. Wobei ich mir nicht immer sicher war, ob das nicht teilweise nur für das Image da war. Aber es gibt auch einen kleinen Glockenturm mit einem Glockenspiel, wohl der erste freistehende Glockenturm in den USA. Zufällig war ich auch gerade um zwölf dort als das Glockenspiel lief, was aber auf mich eher eine zweifelhaften Eindruck gemacht hat. Irgendwie fehlt dem Ganzen etwas das zierliche.
Daneben findet sich in New Ulm auch noch ein Hermannsdenkmal aus dem 19. Jahrhundert, das dem im Teutoburger Wald nachempfunden ist. Vor ein paar Jahren wurde es tatsächlich vom US-Kongress irgendwie offiziell als Denkmal für die Geschichte der Deutschamerikaner anerkannt.
In der Nähe gab es einen State Park mit einem Schwimmteich, was mir bei der Hitze ganz recht war. Allerdings war das kein natürlicher See sondern er ist künstlich angelegt und das Wasser wird auch gechlort. Zum Glück wusste ich schon, dass es so etwas gibt, denn ganz in der Nähe des Hotels ist auch so ein Teich.
Leider waren fast alle Wege im Park aber wegen Überflutung gesperrt, so dass ich nicht viel herumlaufen konnte. Also ging es weiter in den nächsten Park mit Namen Minneopa. Dort gibt es auch noch etwas echte Prärie samt Büffelherde, die aber heute nicht zu sehen war. Irgendwie habe ich mir das immer eher wie Wiesen vorgestellt, es sind aber eher über einen halben Meter hohe Gräser und Blumen. Manches davon könnte bei uns als Zierstaude im Garten angepflanzt werden.
Auf dem Rückweg bin ich dann später durch Saint Peter gekommen. Vor kurzem hatte ich hatte mich schon gefragt, ob es das neben Saint Paul eigentlich auch gibt. Das Beste dort war aber eigentlich eine rote Ampel. So habe ich nämlich an der Straße ein Café gesehen und dort seit dem ich hier bin den ersten Cappuccino nicht aus einem Pappbecher sonder aus einer Tasse getrunken. Der Kaffee war richtig gut und sogar ein Glas Wasser mit Kohlensäure gab es dazu.