Dienstag, 24. Juli 2018

Saint Paul

Letzten Sonntag war ich nun auch mal ein bisschen in Saint Paul. Wie ich schon früher mal geschrieben habe, ist das die ruhigere und kleinere der beiden Zwillingsstädte. Neulich habe ich irgendwo den Spruch gelesen, Saint Paul sei die letzte Stadt des Ostens und Minneapolis die erste des Westens, das liegt vermutlich auch mit daran, dass zwischen den beiden Städten der Mississippi liegt. Sowohl die Firma als auch mein Hotel liegt noch ein Stück weiter östlich, so dass Saint Paul einfach näher liegt.

Es liegt sogar so nah, dass ich nach einigem Überlegen vom Hotel aus mit dem Fahrrad hin gefahren bin. Der schwierigste Teil war dabei eigentlich in der Vorstadt beim Hotel auf den richtigen Weg zu kommen. Es gibt zwar Fußwege, die man mit dem Fahrrad benutzen darf, die sind aber oft nur auf einer Seite der Straße und an den Ampeln dauert es recht lange, bis man grün bekommt. Außerdem musste ich an zwei größeren Einkaufszentren vorbei und da ist Sonntags relativ viel los, schließlich haben die Läden geöffnet.

Nach einem Stück kam dann aber ein ganz offizieller Radweg an einer Straße entlang, die trotz ihrer Breite eigentlich nur in einen Park geführt hat. Von dort aus gab es dann auch eine ganz nette Aussicht auf die Stadt und den Fluss. Der ist hier auch größer und es gibt auch mehr Schiffe.


Anschließend war der Radweg, eigentlich sogar ein Stück des Mississippi River Trail, durch Betonsperren blockiert. Nachdem ich ein gutes Stück hätte zurück fahren müssen und auch kein Schild dabei stand habe ich das Fahrrad einfach darüber gehoben und bin weiter gefahren. Der Weg hat recht idyllisch durch ein Art Auwald geführt. An einer Stelle war dann ein Stück des Wegs dann abgerutscht, so dass er nur noch knapp einen halben Meter breit war. Das Stück war keine zwei Meter lang, aber vermutlich darum die Sperrung. Am anderen Ende kam dann wieder eine Sperre und genau dort kam mir eine Familie mit Fahrrädern entgegen. Die wollten dann auch von mir wissen, ob der Weg befahrbar ist. Auf meine Antwort hin, haben sie mich gleich gefragt, wo ich herkomme und wie lange ich schon da wäre. Vermutlich haben sie durch das Fahrrad angenommen, dass ich hier wohnen würde denn es kam ein Welcome to the United States noch bevor ich sagen konnte, dass ich auf einer Geschäftsreise bin.

Nach einem guten Stück entlang des Flusses habe ich dann einen kurzen Abstecher in die Innenstadt gemacht. Im Vergleich zu Minneapolis ist die aber nochmal ruhiger und so bin ich bald wieder am Fluss weiter gefahren. Ein Stück weiter westlich gibt es nämlich einen Hügel, auf dem an einer Straße, der Summit Avenue, etliche prächtige Häuser vom Ende des 19. Jahrhunderts stehen. Nur leider war es mit Fotografieren etwas schlecht, darum habe ich keine Bilder von dort.

In der Parallelstraße, der Grand Avenue, gibt es etliche Restaurants und zur Stärkung habe ich mir dann mal wieder ein Eis gekauft, zumal es auch mal wieder relativ warm war. Dabei musste ich mir die Größen erstmal erklären lassen, es hat sich herausgestellt, dass die einfache Portion vermutlich so groß wie 6 Kugeln bei uns ist. Auf jeden Fall war es lecker und erfrischend. Auf dem weiteren Weg bin ich dann am Kapitol von Minnesota vorbei, das kannte ich sonst nur vom Auto aus der Entfernung.


Für den Rückweg habe ich dann eine etwas andere Route genommen die aber auch auf Fahrradspuren und -wegen verlaufen ist. Leider hatte ich nicht ganz bedacht, dass es abseits des Flusses doch gleich ein bisschen hügelig ist und so hatte ich zwar zwischendurch eine schöne Aussicht, es ging aber auch ständig leicht hoch und runter.


Auf dem Bild kann man den Radweg erkennen, den ich stadteinwärts gefahren bin. Außerdem sieht man teilweise die Bahnstrecken denn Saint Paul ist bis heute ein Eisenbahnknotenpunkt. Hier betrifft das vor allem Güterverkehr der nach wir vor recht stark ist, es werden wohl bis zu 1500 Waggons pro Tag umgeschlagen. Einmal bin ich auch direkt an den Gleisen vorbeigekommen und hier sind die Lokomotiven deutlich stärker und lauter als bei uns, die Züge sind auch einiges länger.


Personenverkehr gibt es übrigens schon auch – pro Tag je einen Zug nach Chicago und einen nach Seattle. Es gibt aber auch Strecken nach Norden an den Oberen See und nach Kanada sowie nach Süden den Mississippi entlang, nur fahren da halt keine Personenzüge. Die Strecken gehören auch unterschiedlichen Gesellschaften mit so eindrucksvoll klingenden Namen wie Union Pacific, Burlington Northern Santa Fe, Canadian Pacific oder auch Canadian National.