Samstag, 21. Juli 2018

Heimat

Keine Sorge, ich habe kein Heimweh. Aber am Freitag war wieder der Wochenendeinkauf angesagt, wobei ich diesmal keine Lust auf einen neuen Supermarkt hatte. Das vereinfacht die Sache schon ein bisschen, wobei ich trotzdem wieder suchen musste, wo die einzelnen Sachen zu finden sind. Außerdem gab es beim Brot gleich mal eine Aktion, dass das zweite Brot umsonst ist. Eigentlich reicht mir ein Laib Brot völlig aus, schon da muss ich zusehen, dass er mir nicht schlecht wird. Aber als Schwabe kann ich ja schlecht auf das kostenlose zweite Brot verzichten, zum Glück kann ich es ja einfrieren.

Als es um das Scheiden ging, kam die Frage, ob die Sandwich-Dicke in Ordnung wäre. Da musste ich erstmal passen, bis die Verkäuferin auf ein Schild oben an der Wand gezeigt hat auf dem die Stärken erklärt waren. Sandwich war mit einem halben Zoll das dünnste und damit auf jeden Fall das beste.  Als ich dann noch gemeint habe, dass ich es eher so mit den metrischen Größen hätte meinte die Verkäuferin dann, dass die 13 auf die Anzeige der Brotschneidemaschine wohl Millimeter sein müssten. Sie hatte in der Schule nämlich metrische Größen gelernt, weil in den 70er-Jahren die USA wohl mal auf eine Umstellung hin gearbeitet hatten.

Danach ging es zum Fisch, weil ich mir eigentlich gedacht hatte, ich könnte nochmal Lachs machen. Im Angebot war Atlantik-Zuchtlachs aus Chile – das Chile am Pazifik und sich der Name darum auf die Art von Lachs beziehen muss wäre ja noch gegangen. Aber nachdem auf dem Etikett stand, dass Farbstoff zugesetzt war, hatte sich das auch erledigt. Die Alternative war frischer, nicht tiefgefrorener Wildlachs aus Alaska, wobei mir da die umgerechnet €50/kg auch wieder nicht gefallen haben. Da habe ich mir eigentlich vorgenommen, in einem anderen Laden nach Lachs zu schauen.

Kurz darauf habe ich dann entdeckt, dass es ein deutsches Spezialitätenregal gibt. Da fanden sich dann Essiggurken, verschiedener deutscher Senf, Sauerkraut, Schokolade, Heringsdosen und auch Sprudel. Nichts davon hat mir bis jetzt gefehlt aber interessant war die Auswahl schon.

Im Laufe des weiteren Einkaufens habe ich mich dann dazu entschlossen, Käsespätzle zu machen. Das hatte ich schon mal überlegt, aber hatte dann vor dem Mehl kapituliert. Danach hatte ich mich aber im Internet schlau gemacht und so wusste ich inzwischen, welches Mehl ich kaufen kann. Das es hier Mehl mit Backpulver gibt wusste ich ja schon. Dafür aber noch nicht, dass es ein Gesetzt gibt, ausgemahlenes Mehl mit Vitaminen anzureichern. Außerdem auch, dass das Gerstenmalz im Mehl wohl für eine schönere Farbe sorgen soll. Zuletzt ist das bleichen von Mehl hier wohl Standard, in der EU aber verboten. Also wurde es ein ungebleichtes Allzweckmehl, das entspricht wohl am ehesten unserem normalen Mehl. Wobei auf einer Seite auch gleich stand, dass sich das amerikanische Mehl sich wohl auch durch den verwendeten Weizen von unserem unterscheidet und mehr Eiweiss enthalte.

Heute war dann aber erstmal wieder eine Radtour angesagt. Wieder einen auf einer ehemaligen Bahnstrecke, aber diesmal von St. Paul nach Osten nach Stillwater am St. Croix. Der Radweg wurde mir schon in der ersten Woche empfohlen und er ist wirklich schön. Der erste Teil hat vielleicht ein bisschen viele Stopstellen, wobei die hier von den Radfahrern eher großzügig gesehen werden. Aber es geht hauptsächlich durch Wald und ist dadurch schön schattig. Unterwegs gab es dann auch überraschende Tiere zu sehen: Zuerst eine Schildkröte und später dann noch eine Truthenne mit einem Jungen. Beides Mal war ich leider so überrascht, dass ich vergessen habe, ein Foto zu machen.

In Stillwater war ich auch früher schon Mal. Es ist relativ nett am Fluss gelegen und in der Gegend ein beliebtes Ausflugsziel. Es hat nämlich eine Art Altstadt mit etlichen kleinen Läden, unter anderem auch von Käthe Wohlfahrt. Auch das hat mir beim besten Willen nicht gefehlt. Netter finde ich dann schon die alte Hubbrücke über den Fluss, auch wenn sie zur Zeit leider wegen Bauarbeiten für den Autoverkehr geschlossen ist.


Nach einem Kaffee bin ich dann auf dem gleichen Weg wieder zurück gefahren und habe erst da das Schild zum Gasthaus Bavarian Hunter gesehen. Den kannte ich schon vom Erzählen und musste dann doch kurz einen kleinen Abstecher machen und mir das ansehen. Von außen macht es wirklich eine relativ authentischen Eindruck, nicht nur die Schilder, Fahnen und Sonnenschirme von Münchener Brauereien. Nein, ganz deutsch hängt sogar eine Speisekarte neben dem Eingang. Trotzdem habe ich auf ein Radler verzichtet, sonst wäre der restliche Rückweg vermutlich anstrengend geworden.


Heute Abend gab es dann die Käsespätzle was besser als befürchtet geklappt hat. Dank des Internets wusste ich wie man Gramm in Cups umrechnet, zum Glück gibt es nämlich einen Messbecher. Nach meinem Gefühl hat sich das mit dem Eiweissgehalt des Mehls beim Machen gezeigt, ich musste nämlich erstaunlich viel Wasser hinzugeben, damit der Teig die richtige Konsistenz hatte.


Schaumlöffel gibt es leider keinen aber mit einen Pfannenwender und einen Kochlöffel mit Schlitzen und damit habe ich die Spätzle ganz gut aus dem Wasser bekommen. Sogar die Einstellung des Herds ging erstaunlich gut, normalerweise stehe ich da nämlich etwas mit ihm auf Kriegsfuß. Zwischendurch musste ich dann aber erstmal spülen, da ich die Teigschüssel anschließend für den Salat gebraucht habe. Da ich keine Auflaufform habe und mir nicht sicher bin, ob die Griffe der Töpfe den Ofen aushalten würden, habe ich die Käsespätzle auf dem Herd gemacht. Der Swiss Käse – der hat mit der Schweiz soviel zu tun wie der chilenische Lachs mit dem Atlantik – war erstaunlich gut aber sicherheitshalber hatte ich auch noch Speck mit angebraten.


So gab es dann also die aus meiner Sicht ganz klar besten Käsespätzle Nordamerikas und zwar beidseits des Mississippi. Mit der Menge hatte ich mich ein bisschen verschätzt aber das war das kleinste Problem. Damit sich der Aufwand lohnt, habe ich gleich mehr Spätzle gemacht, mal sehen, wie ich den Rest morgen verarbeite.

Donnerstag, 19. Juli 2018

Alltag

Inzwischen hat sich ein bisschen so etwas wie Alltag eingestellt, am Anfang der Woche war ja auch schon die Hälfte meiner Reise um. Anfang der Woche ging es im Büro noch etwas zu, da diese Woche eine neue Version unserer Software fertiggestellt worden ist. Gegen Ende gibt es dann doch immer noch das eine oder andere zu ändern und alle sind etwas nervös. Jetzt habe ich auch diesen Teil mal hier vor Ort erlebt und nicht nur über Telefon und Internet.

Ein paar mal bin ich auch schon mit dem Fahrrad ins Büro gefahren. Das geht besser als befürchtet, es sind auch nur etwa 8 km. Gefühlt am längsten braucht es, vor dem Hotel auf die andere Seite der vierspurigen Straße zu kommen. Keine Sorge, dafür gibt es eine Fußgängerampel, nur braucht die sehr lange, bis sie endlich umschaltet. Der Rest des Weges geht dann über Fußwege, Seitenstreifen und ruhige Straßen im Wohngebiet.

In der Firma gibt es dann sogar Fahrradstellplätze in einer Tiefgarage, von der ich bisher noch gar nicht wusste, dass es sie überhaupt gibt. Den Zugang dafür musste man beantragen, das hat für mich aber der Kollege erledigt, von dem ich das Fahrrad ausgeliehen habe. Er stellt sein Fahrrad nämlich auch dort ab. Außerdem habe ich mir auf seinen Rat auch einen Gastzugang zum Fitnesscenter im Gebäude besorgt. Dort gibt es nämlich Duschen samt Handtüchern, was ganz praktisch ist – teilweise war es auch um 7 Uhr morgens hier schon relativ warm und schwül, so dass ich auf dem Fahrrad ins Schwitzen gekommen bin.

Dazu gehören aber nach wie vor auch die kleinen Tücken des Alltags. Zum Beispiel die Türen, wobei ich es inzwischen meistens schaffe, sie auf Anhieb richtig zu öffnen. Das ist nämlich gar nicht unbedingt so einfach. Zum einen sehe ich es den Türen hier nicht unbedingt an, wie herum sie aufgehen. Zum anderen steht da zwar Pull oder Push darauf, wenn ich aber nachdenken muss, ob das jetzt gerade Ziehen oder Drücken heißt, braucht es halt tendenziell doch immer etwas zu lange und ich stehe schon an der Tür. Eigentlich sind die Flure ja lang genug, dass man früh genug nachdenken kann aber es hat am Anfang trotzdem oft nicht geklappt. Ganz schlimm ist es natürlich, wenn man nebenher noch mit jemand redet. Aber in den Bereichen, in denen ich häufig unterwegs bin, kenne ich die Türen inzwischen gut genug.


Türen sind sowieso immer wieder interessant. Ausgänge sowohl im Hotel als auch in der Firma haben meistens eine Art Druckplatte über die ganze Breite, vermutlich als Fluchttür. Da sieht man natürlich sofort, dass man drücken muss. Dafür stellt sich manchmal die Frage, auf welcher Seite die Tür angeschlagen ist, das merkt man dann aber zum Glück recht schnell.


Irgendwann habe ich dann durch Zufall festgestellt, dass man hier außerdem die Türklinke nicht nur herunterdrücken kann. Man kann sie auch Hochziehen um die Tür zu öffnen. Als ich das einem Kollegen gegenüber erwähnt habe, war er überrascht, dass das bei uns nicht so ist. Wobei es vermutlich ganz praktisch ist, weil man die Tür leichter mit dem Knie öffnen kann, wenn man die Hände gerade nicht frei hat.

Sonntag, 15. Juli 2018

Prärie

Eigentlich hatte ich den Wetterbericht für heute so verstanden, dass es eher ein bisschen wechselhafter mit Schauern werden soll. Soviel gleich vorweg: Entweder ich habe es falsch verstanden oder der Wetterbericht lag falsch. Es gab zwar Wolken aber insgesamt hatte es wieder über 30 °C und dabei leicht schwül.

Auf jeden Fall wollte ich heute mal nicht Fahrrad fahren sondern mit dem Auto einen Ausflug in die Prärie machen. Während es hier in der Gegend eher Laubwald gab war der westliche Teil von Minnesota früher komplett von Prärie bedeckt. Die Gegend dort ist auch weniger hügelig und es gibt auch deutlich weniger Seen. Nach der Radtour letzte Woche hatte ich die Gegend schon gestreift und heute wollte ich nochmal dort hin fahren. Da nur Landschaft auch ein bisschen langweilig ist, bin ich nach New Ulm gefahren Das geht tatsächlich zumindest teilweise auf württembergische Auswanderer zurück und macht auch mit seiner deutschen Geschichte Werbung. Außerdem pflegt es wohl auch partnerschaftliche Beziehungen sowohl zu Ulm als auch zu Neu-Ulm.

Schon bei der Fahrt dorthin ist aufgefallen, dass es deutlich mehr deutsche Namen gibt. So stand in der kleinen Stadt Norwood Young America ein großes Schild mit Werbung für ein „Stiftungsfest“, und zwar genau so geschrieben. Als ich heute Abend im Internet kurz danach gesucht habe, hat sich herausgestellt, dass es das Fest seit 1861 gibt.

In New Ulm war dann aber nicht viel los, da typisch deutsch die meisten Läden Sonntags geschlossen hatten. Es fällt aber schon auf, dass etliche Läden irgendetwas deutsches im Namen haben. Wobei ich mir nicht immer sicher war, ob das nicht teilweise nur für das Image da war. Aber es gibt auch einen kleinen Glockenturm mit einem Glockenspiel, wohl der erste freistehende Glockenturm in den USA. Zufällig war ich auch gerade um zwölf dort als das Glockenspiel lief, was aber auf mich eher eine zweifelhaften Eindruck gemacht hat. Irgendwie fehlt dem Ganzen etwas das zierliche.


Daneben findet sich in New Ulm auch noch ein Hermannsdenkmal aus dem 19. Jahrhundert, das dem im Teutoburger Wald nachempfunden ist. Vor ein paar Jahren wurde es tatsächlich vom US-Kongress irgendwie offiziell als Denkmal für die Geschichte der Deutschamerikaner anerkannt.


In der Nähe gab es einen State Park mit einem Schwimmteich, was mir bei der Hitze ganz recht war. Allerdings war das kein natürlicher See sondern er ist künstlich angelegt und das Wasser wird auch gechlort. Zum Glück wusste ich schon, dass es so etwas gibt, denn ganz in der Nähe des Hotels ist auch so ein Teich.


Leider waren fast alle Wege im Park aber wegen Überflutung gesperrt, so dass ich nicht viel herumlaufen konnte. Also ging es weiter in den nächsten Park mit Namen Minneopa. Dort gibt es auch noch etwas echte Prärie samt Büffelherde, die aber heute nicht zu sehen war. Irgendwie habe ich mir das immer eher wie Wiesen vorgestellt, es sind aber eher über einen halben Meter hohe Gräser und Blumen. Manches davon könnte bei uns als Zierstaude im Garten angepflanzt werden.



Auf dem Rückweg bin ich dann später durch Saint Peter gekommen. Vor kurzem hatte ich hatte mich schon gefragt, ob es das neben Saint Paul eigentlich auch gibt. Das Beste dort war aber eigentlich eine rote Ampel. So habe ich nämlich an der Straße ein Café gesehen und dort seit dem ich hier bin den ersten Cappuccino nicht aus einem Pappbecher sonder aus einer Tasse getrunken. Der Kaffee war richtig gut und sogar ein Glas Wasser mit Kohlensäure gab es dazu.


Samstag, 14. Juli 2018

Radwege

Gestern war am Feierabend wieder einmal einkaufen angesagt, dabei habe ich wieder einmal einen anderen Supermarkt ausprobiert. Nach dem Abendessen bin ich noch eine Runde mit dem Fahrrad gefahren und habe mir dann später noch einen Film im Fernsehen angesehen. So wurde es ein bisschen spät aber glücklicherweise konnte ich heute Morgen etwas länger schlafen. So lange, dass ich nach dem morgendlichen Telefonat mit zu Hause mich sogar ein bisschen beeilen musste, damit ich noch Frühstück bekomme.

Vor zwei Wochen sind mir in Minneapolis ja schon die Radwege aufgefallen und auch die Tatsache, dass Samstags in der Stadt gar nicht so viel los ist. Also habe ich mich nach dem Frühstück dann auf den Weg gemacht. Wobei ich mir vorher eine Gegend zum Parken überlegt und mir vor allem den Weg dahin gemerkt habe, was dann auch erstaunlich gut geklappt hat. Bisher musste ich dann doch oft unterwegs das Handy zu Hilfe nehmen um den Weg zu finden.

Als erstes ging es über den Midtown Greenway einen Radweg, von dem mir bei der Radtour letzten Sonntag jemand erzählt hat. Es ist eine ehemalige Bahnstrecke wohl ausgelöst durch die Initiative eines einzelnen zum Radweg ausgebaut wurde. Beim Bau musste die Bahnstrecke tiefer gelegt werden und so fährt man nun unter den ganzen Straßen einfach drunter durch.


Etwa in der Mitte findet sich direkt am Radweg auch noch ein Fahrradladen mit angeschlossenem Café. Wobei mir das zu früh war und ich einfach weiter gefahren bin. Nach etwa 8 km führt der Radweg zu einer Reihe von Seen im Westen von Minneapolis, der sogenannten Chain of Lakes. Die Seen liegen in Parks und werden gerade jetzt im Sommer entsprechend gut genutzt. Es gibt das ganze Programm von Picknickplätzen bis zum Bootsverleih.



Natürlich auch Radwege um die Seen, wobei die als Einbahnstraße ausgewiesen sind, vermutlich weil hier dann doch viel los ist. Der größte See hieß bis Anfang diesen Jahre übrigens Lake Calhoun, hat seitdem aber wieder offiziell den indianischen Namen Bde Maka Ska. Nachdem ich den einmal umrundet habe, bin ich in Richtung Downtown gefahren, der Teil mit den Hochhäusern. Das ging über einen anderen Radweg, der dann sogar halb unter dem Baseballstadion durch geführt hat. Anschließend musste ich ein Stück über normale Straßen fahren, die allerdings eine gesonderte Fahrradspur hatten. An den Ampeln gab es teilweise sogar extra Fahrradampeln.

In der Innenstadt gibt es eine Straße, die für Fußgänger, Radfahrer und die Linienbusse reserviert ist. Eigentlich fast eine Fußgängerzone, aber die Fahrspur für die Busse und Fahrräder nehmen dann doch etwa die Hälfte der Straße ein. Ganz ungewohnt ist, dass es in der Straße nur wenig Geschäfte gibt. Teilweise stehen auch größere Läden leer. Zum Einkaufen geht man hier dann doch wohl eher in ein Einkaufszentrum und nicht unbedingt in die Innenstadt. Dafür konnte ich mich gemütlich in einen der blauen Schaukelstuhl setzen und noch ein bisschen Telefonieren.


Von dort bin ich dann auf dem kürzesten Weg an den Mississippi denn an dem führt ein gut ausgebauter Radweg entlang. Der hat mich direkt zum Auto gebracht, allerdings bin ich da erstmal vorbei gefahren, da ich noch Lust zum Radfahren hatte. Ein Stück weiter gibt es nämlich die Minnehaha Falls, einen Wasserfall der hier recht bekannt ist, ich finde aber vor allem den Namen irgendwie witzig.


Wieder zurück am Auto waren es dann doch auch wieder 40 km und die fast ausschließlich auf Radwegen oder zumindest -spuren. Aber es hatte inzwischen auch wieder über 30 °C und mir war vom Radfahren recht war. So war ich wiedermal ganz froh über die Klimaanlage im Auto. Zurück im Hotel bin ich direkt unter die Dusche und später habe ich mir dann noch einen Eiskaffee gemacht.

Sonntag, 8. Juli 2018

Fahrrad

Schon zu Hause hatte ich mir überlegt, das es eigentlich ganz nett wäre, wenn ich hier ein Fahrrad hätte. Schon um ein bisschen Bewegung zu haben und außerdem sind die Entfernungen eigentlich eher was für das Fahrrad als für zu Fuß.

Leider hat sich das dann aber etwas gezogen. Ein Kollege hat einen anderen Kollegen gefragt, den er kannte. Da gab es dann ein bisschen ein Hin und Her, ob er mir ein Fahrrad ausleihen kann, am Ende wurde es aber nichts.

Beim meinem Ausflug nach Minneapolis am Samstag vor einer Woche habe ich gesehen, wie viele Radfahrer unterwegs sind und wieviele Radwege es hier gibt. Darauf habe ich per eMail an eine ganz Reihe von Kollegen gefragt, ob mir jemand ein Fahrrad leihen kann. Vielleicht eine Stunde später hatte ich dann schon ein Fahrrad und habe gleich die erste kleine Runde gedreht. Am Sonntag darauf war das Wetter nicht so toll aber am Nachmittag bin ich 15 km vom Hotel aus gefahren. Dabei hat sich leider gezeigt, dass das Fahrrad doch zu klein ist und mein eines Knie das leider gar nicht mochte. Also war erstmal Schluss mit Radfahren.

In der vergangenen Woche haben mich dann aber noch etliche Kollegen angesprochen, dass sie mir bei Bedarf ein Fahrrad hätten. Am Donnerstag habe ich mir dann eines ausgeliehen, das auf jeden Fall nicht zu klein ist. Dabei hatte ich auch die Gelegenheit mal wieder in ein amerikanisches Haus hinein zu sehen, aber das ist eine andere Geschichte. Am Freitag bin ich dann zum Test nochmal 15 km gefahren und mein Knie mochte das größere Fahrrad eindeutig besser.

Damit stand das Programm für den heutigen Sonntag fest, nämlich bei der Tour of Saints mitzufahren. Das ist eine Radtouristikfahrt, so eine Art Volkswandertag mit dem Fahrrad, in Zentral-Minnesota von der ich schon vorher gelesen hatte. Eigentlich nicht unbedingt so ganz mein Ding, in diesem Fall hatte es aber den klaren Vorteil, dass ich mich weder um die Routenplanung noch um die Versorgung unterwegs kümmern musste. Es gab mehrere Strecken mit 18, 35 und 50 Meilen zur Auswahl wobei man sich erst nach 33 Meilen zwischen den beiden längeren entscheiden musste. Das war auch ideal, falls es sich mein Knie unterwegs doch anders überlegt hätte.

Der größte Nachteil dabei war allerdings, dass es schon ab 6:30 Uhr los ging und auch noch heiß werden sollte. Also war frühes Aufstehen angesagt, da die Anfahrt schon anderthalb Stunden gedauert hat. So bin ich aber in den Genuss von leeren Straßen und einem Sonnenaufgang gekommen. Der Ausgangspunkt war ein katholisches College in einem kleine Ort und dort bin ich kurz vor halb sieben angekommen. Obwohl dort auf den Schildern nochmal stand, dass es erst um halb losgehe konnte man sich doch schon vorher registrieren. Es war auch schon einiges los, insgesamt sind es wohl immer so um die 1000 Teilnehmer

Auf jeden Fall bin ich dann schon kurz nach halb sieben losgeradelt wobei es da schon um die 21° C hatte. Leider kam dazu noch ein recht strammer Gegenwind mit um die 15 km/h. Aber der sollte laut Wetterbericht die Richtung nicht ändern, so dass durch den Rundkurs klar war, dass er auch mal von hinten kommen würde. Die Strecke führte über kleinere Straßen die zwar nicht gesperrt waren, auf denen es aber so gut wie keinen Verkehr gab. Teilweise gab es Abschnitte auf etwas größeren Straßen, die hatten dann aber einen breiten Seitenstreifen. Die Strecke war gleich zu Beginn recht hügelig aber zum Glück blieb das nicht so. Die Gegend war sehr ländlich und auf den Feldern stand hauptsächlich Mais oder Soja.


Nach 12 Meilen kam dann die erste Verpflegungsstation an einer Schule mit kaltem Wasser, frischem Gebäck und Obst. Davon kamen dann nochmal zwei, wobei es jedesmal etwas anderes zu Essen gab. Das war sehr nett und abwechslungsreich und die Kalorien konnte ich auch jedesmal gebrauchen.



Zwischendurch hat sich dann bei mir leider die Kette mal so verhakt, dass ich sie erstmal nicht wieder freibekommen habe. Zum Glück haben dann aber zwei andere hilfsbereite Radfahrer angehalten und konnte mir helfen, da sie Werkzeug dabei hatten. Die beiden haben auch ohne Rücksicht in die Kette gelangt und am Ende hatten wir alle schwarze Finger und nur Gras zum Saubermachen. Mit dem einen der beiden bin sich dann später auch noch ein längeres Stück gemeinsam gefahren und er hat mir noch einiges über die Landschaft in Minnesota erzählt. Bei der nächsten Rast konnten wir uns dann glücklicherweise auch die Hände waschen. Die letzte Rast war sowieso die beste da es davor wieder direkten Gegenwind gab und ich durch das Reden mit dem anderen Radfahrer vielleicht ein kleines bisschen zu schnell unterwegs war. Auf jeden Fall konnte ich die Rast dann gut gebraucht und hatte schon Sorgen, was die letzten 10 Meilen anging. Aber zum Glück war die Richtung anders und der Wind kam dann doch nicht nur von vorne.



Am Ausgangspunkt angekommen gab es dann nochmal kühle Getränke, kühle Wassermelone von vor allem auch Duschen. Bis ich dort angekommen bin war es nämlich 11:30 Uhr und hatte so um die 30° C. Darum war ich froh, so früh losgefahren zu sein und das es so gut gelaufen ist. Insgesamt waren es dann 80 km in vier Stunden reiner Fahrzeit, da hat sich der Radurlaub an Pfingsten vermutlich noch bemerkbar gemacht.

Hier noch eine Karte mit der Strecke, man kann auch Rauszoomen um zu sehen, wo das genau liegt.


See full screen

Samstag, 7. Juli 2018

Geschichte

Durch den Feiertag war es im Büro diese Woche sowieso ruhig und am Freitag hat sich das nochmals verstärkt. Viele haben von zu Hause gearbeitet, so dass es wirklich sehr ruhig zu ging. Die Gelegenheit habe ich genutzt, um mal für hiesige Verhältnisse früher ins Wochenende zu starten. Wobei dann erstmal Einkaufen angesagt war, was sich wieder zu einem kleinen Abenteuer entwickelt hat. So habe ich es mal gewagt, an der Theke mir etwas geschnittenes Corned Beef zu kaufen – das ist hier nicht das, was man bei uns aus der Dose kennt, sondern eine Art leicht gepökeltes Rindfleisch. Nun ja, ich habe ein paar Unzen verlangt, weil ich dachte, dass das die übliche Einheit ist. Das war aber nicht so oder ich wurde nicht richtig verstanden, aber am Ende waren es 0,8 lb also über 350 g. Ganz so viel wollte ich eigentlich nicht. Für die nächste Verwirrung haben die Preise im Supermarkt gesorgt, am Salat stand beispielsweise 2 für $5. Erst an der Kasse habe ich dann verstanden, dass man dann nicht unbedingt 2 kaufen muss sondern einer eben $2,50 kostet. Zum Kochen habe ich mir auch noch Steak gekauft, da ging es dann doch wieder nach Unzen und die Preise waren mal pro Pfund und mal pro Stück.

Heute Vormittag war dann etwas Geschichte angesagt. Hier gibt es in der Nähe des Flughafens das frühere Fort Snelling, die erste amerikanische Siedlung im weiten Umkreis und eine Zeit lang der nordwestlichste Außenposten der USA. Es liegt auf einem felsigen Hochufer am Zusammenfluss des Mississippi und des Minnesota und man hat auch noch eine nette Aussicht mit Minneapolis im Hintergrund.



Wobei die Idylle trügt, auf der anderen Seite liegt direkt der Flughafen. Daher bin ich auch jedesmal wenn ich bisher hier war, an den Schildern zum Fort vorbei gefahren, nur gesehen hatte ich es noch nie. Das habe ich jetzt heute nachgeholt. Das Ganze ist ein Freilichtmuseum mit ein paar originalen und einigen rekonstruierten Gebäuden. Hier steht auch das älteste noch stehende Gebäude in ganz Minnesota, das dann doch aus den 1820er Jahren ist.

Wie es hier öfter ist gibt es dazu noch Leute in historischen Uniformen, das einem Geschichten dazu erzählen oder Sachen vorführen. So gab es gegen 12 eine kleine Exerzierübung und es wurde eine Kanone abgefeuert.


Gleich im Anschluss wurde auch noch mit Vorderladern geschossen.


Was mich in dem Museum dann doch positiv überrascht hat, war wie die wechselvolle Geschichte der Gegend dargestellt wurde. So ging es durchaus kritisch sowohl darum, wie die ursprünglich hier lebenden Daktoa-Indianer behandelt und schlussendlich vertrieben wurden also auch um die Sklaven der Offiziere. Dazu kam im Besucherzentrum eine Ausstellung zur Internierung von Amerikanern mit japanischen Vorfahren im zweiten Weltkrieg.

Unterhalb des Fort liegt ein State Park, in dem ich anschließend noch ein bisschen Spazieren gegangen bin. Nur leider haben die Flüsse noch immer Hochwasser und einiges ist überflutet, so dass man eigentlich nicht richtig ans Flussufer kommt.



Zum Abendessen gab es dann ein Steak aus der Pfanne. Wobei auch das nicht ganz so einfach war. In meinem Hotelzimmer kann man kein Fenster aufmachen und der Dunstabzug bläst die Luft auch nur im Kreis. So hat es beim Braten des Steaks halt etwas gedampft und irgendwann hat plötzlich der Rauchmelder gepiepst. Nur kann man halt nicht viel machen, wenn kein Fenster aufgeht. Kurz darauf hat dann aber auch die Rezeption angerufen und nachgefragt, ob bei mir alles in Ordnung sei. Da bekam ich dann noch den Tipp, die Lüftung im Bad anzuschalten. Das hat dann wirklich etwas gebracht, mehr als die Klimaanlage, bei der hatte ich das Gebläse nämlich schon auf die höchste Stufe gestellt.

Mittwoch, 4. Juli 2018

Feiertag

Heute am 4. Juli ist ja der amerikanische Nationalfeiertag und darum habe auch ich heute frei. In den letzten Tagen habe ich schon gemerkt, dass es ein wichtigerer Feiertag hier ist. Etliche Leute nehmen diese Woche noch ein paar Tage Urlaub und es ist insgesamt etwas ruhiger. Außerdem ist das Hotel auch auffallend ruhig, offenbar geht niemand auf Dienstreise sondern versucht zu Hause zu sein.

Letzte Woche ging es schon darum, was man am 4. Juli so macht. Ganz wichtig ist das Feuerwerk, das kommt aber erst noch um zehn Uhr heute Abend. Tagsüber gibt es teilweise aber auch Veranstaltungen wie Umzüge, zum Beispiel auch in Afton, einem kleinen Städtchen nicht allzu weit weg von hier. Das hatte ich gelesen und mir überlegt hin zu gehen.

Am Vormittag wurde es dann aber erstmal spannend, ob das Wetter mitmacht. Nachdem es in den letzten Tagen heißt und schwül wurde waren Unwetter vorhergesagt. So war es dann auch und gegen 10 Uhr heute Vormittag kam auch schon ein Gewitter. Die Gewitter haben hier aber wohl die Angewohnheit relativ schnell weiter zu ziehen und so stand dem Umzug dann doch nichts mehr im Weg. Durch den Regen hatte es auch auf angenehme ungefähr 20° C abgekühlt.

Also habe ich sicherheitshalber Halbschuhe, Regenjacke und -schirm eingepackt und mit auf den Weg gemacht. Geparkt wurde einfach am Straßenrand, der ist hier ja eigentlich meistens breit genug. Vor dem eigentlichen Umzug habe ich mir in der wohl ältesten Eisdiele Minnesotas ein leckeres Eis gekauft, natürlich mit typischen amerikanischen Sorten, nämlich blueberry cheesecake und salted caramel.



Die meisten Leute saßen schon mit Campingstühlen und Kühlboxen am Straßenrand wobei die Strecke lang genug war und es damit genügend Platz hatte. Viele Leute waren auch passend in den amerikanischen Farben angezogen und der Ort natürlich mit Fahnen geschmückt. Insgesamt war eine ziemlich fröhlich entspannte Stimmung. Bis der Umzug los ging kam dann auch die Sonne wieder raus und es wurde ziemlich schnell wärmer so dass ich mir einen Platz im Schatten gesucht habe.

Los ging es dann mit einer buten Mischung aus uniformierten Fahnenträgern und alten Militärfahrzeugen.


Überhaupt war erstmal alles vertreten, was eine Uniform trägt. Also die Armee, die Veteranen, die Feuerwehr und die örtliche Polizei und alle haben Süßigkeiten an das Publikum verteilt.


Später kamen dann noch die Pfadfinderinnen und Pfadfinder, eine Kirchengemeinde, unterschiedliche Vereine, örtliche Unternehmen und anscheinend auch einfach nur Leute mit besonderen Autos. Es kamen noch eine ganze Zahl an Gruppen, die Werbung für die Kandidaten bei den im Herbst anstehenden Wahlen gemacht haben. Für mich besonders ungewohnt war dabei natürlich die Werbung für den Sheriff, der wird hier wohl alle vier Jahre gewählt.



Erstaunlicherweise gab es relativ wenige Bands und es gab nicht mal eine High School Band. Dafür ein sogenanntes Drum & Bugle Corps, das ist mir vor allem durch die für mich etwas ungewöhnliche Haltung der Tuben aufgefallen.


Nach knapp einer Stunde waren dann auch alle Gruppen die Straße einmal hin und wieder zurück gezogen und der Umzug damit vorbei. Es war zwar nach wie vor bewölkt hatte dann aber auch schon wieder so um die 30 °C und durch den Regen am Vormittag war es recht schwül. Als ich wieder beim Hotel war kam dann auch schon wieder das nächste Unwetter angezogen. Im Vorfeld gibt es dabei teilweise recht imposante Wolkenformationen zu sehen.


Das anschließende Gewitter war eigentlich gar nicht so wild. Nur war ich dann doch etwas überrascht, als der Fußboden im Hotel vom Donner gewackelt hat. Wobei das natürlich auch ziemlich viel über die Bauweise aussagt. Mal sehen, wie das Wetter sich weiter entwickelt und ob ich später noch zum Feuerwerk gehe oder nicht.